Eine stille Nacht in San Andreas

Es war eine frostige Dezembernacht in San Andreas. Der Wind wehte durch die Palmen, und die Stadt war in ein flimmerndes Lichtermeer gehüllt. Vom schneebedeckten Mount Chiliad bis hin zu den goldenen Stränden von Vespucci Beach schien die ganze Region in einer merkwürdigen Mischung aus Chaos und Besinnlichkeit zu verharren. Es war Weihnachten in Los Santos – und das konnte nur bedeuten, dass auch die ungewöhnlichsten Geschichten möglich waren

Die Weihnachtsmission des Larry „Rentiere“ Rodman

Larry Rodman, besser bekannt als „Rentiere“ im örtlichen Kuriernetzwerk, war ein schlitzohriger, aber herzensguter Typ. Sein Spitzname kam daher, dass er mit einem knallroten, altmodischen Bravado-Wagen durch die Stadt sauste, an dessen Dach eine blinkende Rentierfigur befestigt war. Dieser Bravado war ein rollendes Weihnachtswunderland – mit Schneespray auf den Fenstern, künstlichem Tannenzweig am Kühlergrill und einer Hupe, die „Jingle Bells“ spielte..

Larry hatte an diesem Heiligabend eine besondere Aufgabe: Er musste eine Lieferung von 20 handgeschnitzten Krippenfiguren zu einer kleinen Kirche im armen Viertel von Strawberry bringen. Das Problem war nur, dass die Figuren vom exzentrischen Künstler „Handsome Hank“ stammten – bekannt für seine etwas… explosiven Holzveredelungsmethoden. Hank hatte die Figuren in seinem Kellerwerkstatt mit leicht entzündlichem Lack versehen, und die Feuerwehr von Los Santos hatte ausdrücklich davor gewarnt, sie in geschlossenen Räumen zu lagern.

„Ach, das wird schon“, murmelte Larry, als er die Figuren vorsichtig in den Kofferraum lud. „Die Leute in Strawberry brauchen was, das sie zum Lächeln bringt. Und Weihnachten ohne Jesus, Maria und Josef? Das geht gar nicht!“

Die Straßen von Los Santos: Mehr als nur ein Hindernis

Larry war kaum eine Meile unterwegs, als ihn das erste Problem einholte: Ein Schneeballkrieg der Grove-Street-Kids hatte zu einer Straßensperre geführt. Eine Horde von Jugendlichen schoss mit beachtlicher Präzision Schneebälle auf alles, was sich bewegte. Larry blieb stehen, kurbelte das Fenster herunter und rief: „Hey, ich bringe Weihnachtsfreude! Werdet ihr mich durchlassen?“

Ein kleiner Junge mit einer übergroßen Pudelmütze trat vor und inspizierte den Rentierwagen. „Weihnachtsfreude? Zeig uns was!“

Larry überlegte kurz, dann drückte er die Hupe. „Jingle Bells“ ertönte durch die frostige Nacht, gefolgt von einem kurzen Feuerwerk aus Konfetti, das Larry heimlich unter der Motorhaube installiert hatte. Die Kids jubelten und ließen ihn passieren, während sie „Frohe Weihnachten!“ riefen.

Der große Brand – fast

Kaum hatte Larry die nächste Kreuzung erreicht, roch er plötzlich Rauch. Ein Blick in den Rückspiegel ließ ihn erbleichen: Aus seinem Kofferraum stieg eine dünne Rauchwolke auf. Offenbar hatten sich die lackierten Figuren durch die winterliche Luftreibung erhitzt.

„Nicht jetzt, nicht hier!“ rief Larry, lenkte den Wagen auf einen verlassenen Parkplatz und sprang heraus. Mit einem alten Feuerlöscher, den er zufällig im Kofferraum hatte (man lebt nur einmal in Los Santos), begann er, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Glücklicherweise waren nur ein paar Engelsflügel leicht angekokelt. „Na gut, jetzt sind sie himmlisch“, murmelte er mit einem trockenen Grinsen.

Die Ankunft in Strawberry

Endlich erreichte Larry die kleine Kirche. Der Pfarrer, ein älterer Mann mit einem Lächeln, das Wärme verbreitete, wartete schon nervös. „Oh, Herr Rodman, Sie haben es geschafft!“

Larry lud die Figuren aus, stellte sie vorsichtig vor dem Altar auf und atmete erleichtert auf. Die Gemeinde begann sich zu versammeln, und bald erklangen Weihnachtslieder durch die einfachen, aber liebevoll geschmückten Kirchenwände.

Als Larry den roten Bravado wieder startete, sah er zurück auf die glücklichen Gesichter der Kinder und Erwachsenen, die die etwas rußigen, aber charmanten Figuren bewunderten.

„Weißt du was, Weihnachten in San Andreas ist gar nicht so übel“, murmelte er. Dann trat er aufs Gas und sauste mit seinem blinkenden Rentier in die funkelnde Nacht hinaus.

In San Andreas mag vieles schiefgehen, aber an diesem Heiligabend zeigte sich, dass selbst in einer chaotischen Stadt ein wenig Weihnachtszauber die Herzen der Menschen berühren kann.